Bei Stress handelt es sich zunächst einmal „lediglich“ um eine Anpassungsleistung des Körpers auf innere oder äußere, beängstigende oder beruhigende, schädigende oder fördernde, stimulierende oder aversive Situationen. Stress an sich ist keine Störung oder Erkrankung, sondern vielmehr ein besonderes Zusammenspiel von Körper und Geist. Die Frage, die sich stellt ist, wie mit dem Stress umgegangen wird:
Sich dem Stress bzw. der Stresssituation zu stellen („fight“), sich ihm zu entziehen bzw. anzupassen („flight“) oder über sich ergehen zu lassen ("freeze"). Und wann und warum wird überhaupt eine Situation bzw. eine erforderliche Anpassung auf eine Anforderung als Stress empfunden?
Stress kann sowohl positiv empfunden die Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft fördern, als natürlich auch negativ überfordernd, ja sogar bedrohlich empfunden werden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und vom Organismus und / oder der Psyche nicht verarbeitet werden kann. Auch können Stressoren zunächst stimulierend wirken, aber im schlimmsten Fall ab Erreichen einer individuellen Reizschwelle pathologisch werden. Zusätzlich hat jedes Individuum eine unterschiedliche genetische Disposition, Stress als belastend zu empfinden. Weitere Faktoren wie die momentane physische wie psychische Verfassung, exogene Faktoren (z. B. Zeit), Emotionen sowie individuelle Erfahrungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Frage, wie eine Situation empfunden wird.
Zu den stressauslösenden Faktoren zählen unter anderem:
In einer akuten stressigen Situation werden im Organismus Notfallprozesse aktiviert, um angemessen auf diese Situation zu reagieren. In Sekundenbruchteilen beginnt das Herz schneller zu schlagen, um das Blut mit allen für die Reaktion notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Hier spielt u.a. die Nebenniere eine entscheidende Rolle, denn sie ist für die Produktion und Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol hauptsächlich verantwortlich. Zunächst einmal wird Adrenalin und Noradrenalin vom Nebennierenmark über Nervenbahnen direkt in den Blutkreislauf freigesetzt. Adrenalin ist für das bereits erwähnte „fight-or-flight-Verhalten“- also die sofortige Reaktion auf den Stressor - zuständig und sorgt u. a. für erhöhten Herzschlag, schnellere Atmung und einen erhöhten Muskeltonus. Noradrenalin – auch als „Kampf- oder Aggressionshormon“ bekannt – trägt ebenfalls zur Regulierung des Energiehaushaltes bei, um den O2-Gehalt im Blut zu erhöhen, die Leber dazu anzuregen, Energie aus Zuckerreserven freizusetzen usw. Alles zu dem Zweck, den Organismus schnell kampf- oder fluchtbereit zu machen.
Nach einer kurzzeitigen stress- oder angstauslösenden Situation wie beispielsweise einem Donnerschlag oder einem Schuss würde hier die Stresssituation wieder abebben, der Adrenalinspiegel schnell sinken und der Körper in den Ausgangszustand zurückfallen.
Wenn die Stresssituation jedoch weiter anhält, wird nun vom Hypothalamus , der ebenfalls Bestandteil des limbischen Systems ist, die Nebennierenrinde angeregt, Cortisol zu produzieren. Cortisol ist für die weitere Bereitstellung von Energie aus den körpereigenen Depots verantwortlich und reguliert den Blutdruck, den Glukosespiegel und beschleunigt die Aufspaltung von Eiweiß in Aminosäuren. Außerdem entfaltet Cortisol eine entzündungshemmende Wirkung, indem es das Immunsystem beeinflusst. Zusammengefasst hilft all dieses, Stress, Verletzungen und die Abwehr erfolgreich zu bewältigen.
Endet die Situation in einem für den Hund erfreulichen Resultat (wie zum Beispiel dem Hinterherjagen und/oder Fangen einer Beute oder dem Ball), wird zusätzlich zu dem Nor-/Adrenalin und Cortisol noch Dopamin („Belohnungshormon“), Serotonin („Glückshormon“) sowie weitere Endorphine ausgeschüttet, die einen selbstbelohnenden, euphorisierenden Charakter haben.
Bleibt jedoch der „Ausnahme- oder Notfallzustand“ über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten oder wiederholen sich Stresssituationen in kurzen Abständen hintereinander, wird das Cortisol entweder zu lange oder zu schnell hintereinander ausgeschüttet und wirkt dann kontraproduktiv: Wertvolle körperliche Reserven werden immer weiter verbraucht ohne zwischenzeitlich wieder „aufgeladen“ zu werden. Dies führt zu einer stetigen Schwächung des Immunsystems. Noradrenalin wird ebenso abgebaut wie das „Glückshormon“ Serotonin.
Lethargie, Depressionen und Antriebslosigkeit können die Folge sein.
Im Gegensatz zum Adrenalin wird das Cortisol vom Körper viel langsamer abbaut. Demnach führen länger andauernde oder schnell hintereinander wiederkehrende
Stresssituationen zu einem stetig ansteigenden Cortisolspiegel. Ein Teufelskreislauf beginnt…
Und hier beginnt dann meistens meine Arbeit....
Malte Hoog
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